Heimat.

Der frühe Vogel fliegt nicht mehr – Goodbye Hannes! #wirfuerhannes



Vielleicht geht es vielen von euch da draußen wie mir: Gestern hat sich ein Teil meiner Welt verändert – ein wichtiger Teil fehlt. Eigentlich fehlte er schon öfter, da sich Johannes öfter mal Internetauszeiten gönnte, um dann mit noch höherer Intensität an seinem Ziel arbeitete, das Internet zu einem guten Ort zu machen. Darum habe ich mir auch keine Gedanken gemacht, als auf seinem Facebookprofil nur noch zu lesen war, dass es nur noch zu Redaktionszwecken genutzt wird. Ich dachte mir nur: He’ll be back!

Jetzt da er entschieden hat, seinen Platz zu räumen und nicht mehr unter uns weilt, habe ich mir überlegt wie ich die gestrige, schreckliche Nachricht für mich verarbeite. Normalerweise trifft man sich mit Freunden, die den Verstorbenen auch kannten, spricht über die Momente, die man gemeinsam miteinander verbrachte, erinnert sich an den Menschen, der in der vertrauten Runde fehlt. Aber wie geht das bei Menschen, die man nur einige Male im Leben traf und zu denen die emotionale Beziehung eher auf digitalem Wege zustande kam? Ich habe mich entschieden, den Tod von Johannes Korten in diesem Blogbeitrag zu verarbeiten. Ich habe ihn geschrieben und war mir nie sicher, ob der Weg richtig ist. Wohlwissend das es sich wohl eher um einen Monolog handeln wird und ich auch nicht weiß, ob dieser Beitrag von vielen gelesen wird.

Ich möchte auch nicht nach dem „Warum?“ fragen. Diese Frage kann keiner beantworten und die Suche danach würde auch keinen glücklicher machen. Hannes wird seine Gründe für diesen Schritt gehabt haben – ohne Zweifel.

Gestern las ich die Vermisstenmeldung. Anfangs dachte ich, dass dies wieder eine besondere Aktion von ihm sein könnte. Ich zweifelte sogar kurzfristig an der Echtheit der Internetseite der Bochumer Polizei. Doch sehr schnell wurde mir klar, das hier ist kein Spaß. Zu schnell wurde die schlimmste Befürchtung zur Realität. Leider.

Als ich heute Morgen mein Handy zur Hand nahm, war mir klar, dass ein bedeutender Teil meines digitalen Freundeskreises fehlt. Nie mehr Fotos von der sonntäglichen Backorgie mit den Kindern, kein Bäckertach und keine abendlichen Wortspiele mit oder ohne Sinn mehr. Noch mehr werden mir seine Texte in seinem Blog fehlen, die er immer in einer bewegenden Sprache verfasste. Gerne habe ich sie gelesen und oft hat er mich durch diese Texte zum Nachdenken gebracht. Ich kannte niemanden der Texte so berührend schreiben kann, keinen dem ich emotional so nah war, obwohl wir uns nur wenig persönlich sahen.

Das erste Mal traf ich den „frühen Vogel“ in Köln bei einer Vortragsveranstaltung. Wir waren beide auf dem Podium als Referenten. Am Abend beschlossen wir, ein paar Kölsch zu trinken, da wir in meinen Augen auf einer Wellenlänge lagen. Beide „Internetfreaks“ und begeistert von sozialen Medien – beide Familienmenschen – und beide von Herzem Genossenschaftsbänker. Ein Glücksfall, dass wir uns in Köln trafen, uns kennen und schätzen lernten. Neben der persönlichen Sympathie entstand durch die sozialen Medien auch eine intensive Bindung. Danach sahen wir uns beim Bloggertreffen auf der Biofach in Nürnberg und bei verschiedenen Veranstaltungen zu irgendwelchem Internetzeugs. Immer waren es positive Kontakte, immer gute Gespräche.

Zu Besuch in Hannes‘ Wohnzimmer

Gerne denke ich auch an das achte Genobarcamp in Bochum zurück. Es war mein erstes Genobarcamp und wir durften quasi zu Besuch im zweiten Zuhause von Johannes sein. Man merkte mit welchem Stolz, mit welcher Inbrunst er die Veranstaltung in Bochum genoss und wie sehr er sich freute, die Teilnehmer „seines Genobarcamps“ vor Ort zu haben. Am Abend des ersten Veranstaltungstages sind wir dann zusammen mit Frank in einer Bochumer Eckkneipe gelandet (Name vergessen, Abend unvergesslich). Was folgte war ein Abend mit guten Gesprächen, einigen Bierchen und dem Hannes in Plauderlaune. Ich empfand es als besondere Wertschätzung mit ihm diesen Abend verbracht zu haben.

Seit dem Abend in der Kölschkneipe in Köln begleitete mich Hannes. Er war ein guter (wenn auch weitgehend digitaler) Freund. Ich möchte ihn so in Erinnerung halten, wie er für mich war: ein unglaublich positiver, gradliniger, ehrlicher und immer korrekten Menschen. Hannes war immer da, immer verfügbar und immer hilfsbereit. Der beste Beweis: seine Initiative #einbuchfuerkai

Seit gestern hat sich ein konstanter Teil meines digitalen Ichs für immer verabschiedet. Was bleibt frage ich mich? Hannes hat sein digitales Leben in Vorbereitung auf sein Ableben weitgehend gelöscht. Das kann ich verstehen. In seinem letzten Blogbeitrag bittet er uns sinngemäß, die Welt im Kleinen und im Großen zu einem besseren Platz zu machen.

Wenn der Schmerz über die gestrige Tragödie sich lindert sollten wir uns damit beschäftigen, aber erst dann … jetzt gerade ist die Welt ein bisschen schlechter geworden. 

Mein Mitgefühl gilt allen Menschen, die Hannes nah waren – wahrscheinlich noch viel näher als ich es je sein konnte. Seiner Familie wünsche ich Kraft und Ausdauer bei der Bewältigung dieses schrecklichen Ereignisses.

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6 Kommentare zu „Der frühe Vogel fliegt nicht mehr – Goodbye Hannes! #wirfuerhannes

  1. Ja, mir fehlt er auch, auch wenn unsere „echte“ Beziehung jeweils „nur“ am Bloggertreffen der Biofach gepflegt wurde. Das zeigt andererseits, wie intensiv auch digitale Beziehung sein können, wie Du es auch in Deinem Text beschreibst. Es macht sehr traurig.

  2. Nur Hannes wird geahnt haben, wieviele digital von ihm abschied nehmen werden – überall im Netz.

    „Das Netz ist ein guter Ort, wenn wir es gemeinsam dazu machen“ – in dem Satz steckt soviel Wahrheit.

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